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Manchmal muss es wehtun – so erhaltet ihr konstruktive Kritik

Kritik ist wichtig. Sie hilft uns, Fehler zu erkennen und ermöglicht es, dass wir uns verbessern. Dennoch ist Kritik auch unangenehm und deswegen unerwünscht. Wir gehen ihr daher gerne aus dem Weg. Oder wir versuchen, nur harmlose Kritik zu bekommen. Das ist aber keine Lösung. Weichgespülte Kritik bringt uns nicht weiter. Kritik muss auch mal wehtun dürfen.
Doch wie erhalten wir konstruktive Kritik, die uns weiterbringen? Zwei Dinge sind entscheidend: den passenden Kritiker finden und die richtigen Fragen stellen.

Nicht jeder kann Kritik – diese Kritiker könnt ihr vergessen

1. Vergesst den einfachen Weg

Wer nur diejenigen fragt, die sich schwertun, echte Kritik zu äußern, der wird nie hilfreiche Kritik bekommen. Freunde oder Verwandte, die sich eher die Zunge abbeißen würden, als euch schonungslos zu kritisieren, bringen nichts. Wem es schwerfällt, andere auf Fehler hinzuweisen, weil er niemanden verletzen möchte, ist kein guter Kritiker. Wahrscheinlich ein netter Typ, aber keiner, der euch weiterhelfen wird.

2. Ewige Nörgler und Besserwisser helfen auch nicht weiter

Wer es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, seine Mitmenschen ständig auf ihre Fehler und Unzulänglichkeiten hinzuweisen, ist oft ein gefürchteter Kritiker. Macht ihn das zu einem guten Kritiker? Nein. Denn er kritisiert nur, um des Kritisierens willen. Es geht ihm nicht darum, weiterzuhelfen, sondern nur darum, Schlechtes zu betonen. Gutes wird er ohnehin nicht sehen und schon gar nicht anerkennen. Konstruktiv ist das nicht. Doch das wollen diese Personen auch nicht.

So findet ihr die passenden Kritiker

1. Fragt eure Zielgruppe

Ganz gleich, ob ihr ein Konzept erstellt, eine Präsentation bastelt oder ein Start-up gründet. Stets gibt es eine Zielgruppe, die ihr überzeugen müsst. Daher ist es naheliegend, diese um Kritik zu bitten. Zum Beispiel mit einer simplen Online-Befragung oder indem ihr einen Kollegen eure Präsentation vorabzukommen lasst. Überzeugt ihr die Zielgruppe nicht, werdet ihr scheitern. Daher befragt sie vorher und nicht erst, wenn alles fertig ist.

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2. Fragt die Experten

Es ist toll, wenn ihr zuhause einen verständnisvollen Partner habt, den ihr alles fragen könnt. Doch ist derjenige in einer anderen Branche tätig, kann er eure Arbeit kaum einschätzen und wird euch kein konstruktives Feedback geben können. Daher fragt besser die Experten.
Ein Beispiel: Ihr arbeitet in der Marketing-Abteilung eines Unternehmens und erstellt ein Konzept für die Neu-Gestaltung aller Online Marketing-Aktivitäten. Ideale Kritiker stammen aus demselben Umfeld: direkte Abteilungskollegen oder Freunde und Bekannte, die ähnliche Jobs haben. Der Kollege aus dem Controlling, mit dem ihr gelegentlich nach Feierabend ein Bierchen trinken geht, ist nicht der Passende.

Richtig fragen – so erhaltet ihr konstruktive Kritik

Die Fragestellung entscheidet, ob ihr Kritik bekommt, die euch weiterhilft. Meistens fragen wir viel zu unkonkret und erhalten nur nichtssagende Antworten.
Frage: „Kannst du über meine Präse schauen und mir sagen, wie du sie findest?“
Antwort: „Gut.“
Frage: „Ich hab‘ da einen Entwurf für die Unternehmensbroschüre, wie findest du den?“
Antwort: „Schön“
In beiden Fällen bringen die Antworten nichts. Doch das liegt nicht am Kritiker, sondern an der Fragestellung. Denn wer unkonkrete Fragen stellt, wird unkonkrete Antworten erhalten. Derjenige, den wir befragen, erhält mit solchen Fragen keinen Auftrag, sich genauer mit dem Gegenstand der Kritik zu beschäftigen. Dementsprechend wird er sich nicht viel Mühe geben.

Die Lösung: exakt und sachbezogen fragen

Anstatt eine weiche Frage zu stellen, verteilen wir klare Aufträge. Nicht „Wie findest du“, sondern genau nach Problemen, Verständnisschwierigkeiten oder Verbesserungsmöglichkeiten fragen.
Je detaillierter die Frage, desto eher gibt es eine aussagekräftige Antwort.

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Mögliche Fragen

  • „Was kann man noch verbessern?“
  • „Was hat dir nicht gefallen?“
  • „Wo hattest du Verständnisschwierigkeiten“

So wird aus guter Arbeit Außergewöhnliches

Wer für eine bereits gute Arbeit um Feedback bittet, wird in der Regel nur zu hören bekommen, dass es eine gelungene Arbeit ist. Das ist toll fürs Ego, hilft aber nicht weiter, das Produkt zu verbessern.
Konkreten Fragen können euch hingegen helfen, bereits anständige Arbeiten zu verbessern.
Fragt ihr gezielt nach Verbesserungsmöglichkeiten und lasst andere nach misslungen Details suchen, bekommt ihr Optimierungspontenziale aufgezeigt. Um diese selbst zu finden, braucht ihr viel Zeit, – wenn ihr sie überhaupt findet. Jemand anderes, mit frischem Blick, sieht es viel eher. So werden aus guten Arbeiten großartige Arbeiten.
Auch wenn sie manchmal unangenehm ist, Kritik hilft uns weiter. Dazu müssen wir uns auf sie einlassen, die passenden Kritiker finden und – vor allem – konkrete Fragen stellen.